Hamburg (BoerseGo.de) - Um eine Überhitzung der boomenden chinesischen Wirtschaft mit einem anschließenden Kollaps zu vermeiden, bedarf es einer Neubewertung der Inlandswährung. Die bisherigen Maßnahmen der Verantwortlichen zur Entschärfung wie etwa die Auferlegung von Kreditbeschränkungen an Banken und die Erhebung einer 5,5 Prozent Verkaufssteuer auf Wohnimmobilien hätten nur den Charakter einer Halbherzigkeit. Dies berichtete die “Financial Times Deutschland” unter Berufung auf den Wirtschafts-und Politikwissenschaftsprofessor an der Universität Berkeley, Barry Eichengreen. Dabei erhebt dieser den Vorwurf einer Koppelung des chinesischen Renminbi an den Dollar. Indem China seinen Wechselkurs künstlich niedrig hält vergrößere sich weiter der bereits enorme Leistungsbilanzüberschuss des Landes zu Lasten des Rests der Welt. Peking behindere daher eine Wiederherstellung des weltweiten Gleichgewichts. Falls die Verantwortlichen eine deutliche Aufwertung des Renminbi weiter blockieren werde das Risiko für eine erhebliche Abwertung zu einem späteren Zeitpunkt heraufbeschworen.
Falls sich China im aktuellen Zeitpunkt zu einer Aufwertung entschließt könnten sich die überhitzten Wertpapiermärkte leichter abkühlen. Im Falle einer Vorantreibung der Überhitzung wachse das Risiko für einen Kollaps. In diesem Fall müsste China zur Unterstützung der Exporte seine Währung schwächen. Die chinesischen Märkte hätten Symptome einer Blase. Das Land importiere laxe Währungsbedingungen aus dem Ausland. Zinsen von Null könnten zwar für USA und Europa in der Krise angemessen sein, aber nicht für ein boomendes China.
Die Exzesse in China hätten mittlerweile enorme Ausmaße erreicht. Die Wohnungspreise in Shanghai sind allein im Vorjahr um 25 Prozent gestiegen. Die Zahl der Baubeginne für Wohnungen verdreifachte sich in 2009 und überall wo das Auge hinblickt gebe es Bauaktivitäten. Wohnungen seien das begehrteste Spekulationsobjekt. Daraus lasse sich ein klassisches Anzeichen für eine tickende Zeitbombe ableiten.
Um eine weitere Überhitzung des Immobilienmarktes abzuwenden erfordere es erheblich straffere geldpolitische Maßnahmen. Die Zinsniveaus seien nach der leichten Anhebung der Mindestreservesätze für Geschäftsbanken noch immer gefährlich niedrig. Nur eine spürbare Aufwertung des Renminbi drossle die Kreditvergabe. Solange der Renminbi an den Dollar gekoppelt ist locke ein höheres Zinsniveau noch mehr Kapital aus dem Ausland an. Falls nichts geschieht überhitze die Wirtschaft weiter. Am Ende platze die Blase. Dann kühlt sich das Wirtschaftswachstum möglicherweise stärker ab, als es das chinesische Sozialgefüge zu verkraften imstande ist.
Eine chinesische Wirtschaftskrise dürfte im Vergleich zu den USA nach der Lehman-Pleite eher in Zeitlupe ablaufen, da die Regierung mit ihren enormen Reserven in der Lage ist Banken zu rekapitalisieren sowie Anweisungen für weitere Kreditvergaben und zur Weiterarbeit von Staatsunternehmen zu erteilen. Negative Folgen würden jedoch unvermeidbar bleiben. Besser wäre es daher Präventivmaßnahmen zu ergreifen. Die derzeitige chinesische Politik habe jedoch einflussreiche Befüworter bei Exporteuren und im Bausektor, heißt es weiter in dem Bericht.

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