China CPI zieht an – Neujahrsfeierlichkeiten versalzen etwas die Suppe!

Kategorie: boerse-go: Research | z externer Content Analyse Konjunktur | Datum: 09.02. 08:55

• Am heutigen Morgen wurden die Januarzahlen zur Inflationsentwicklung in der Volksrepublik China bekanntgegeben. Das Nationale Büro für Statistik (NBS) meldete eine Teuerungsrate von 4,5% Y/Y (Vormonat: 4,1% Y/Y). Der erste Anstieg der Teuerungsrate seit Juli letzten Jahres, der mit 1,5% M/M zudem sehr deutlich ausfiel, stellt durchaus eine negative Überraschung dar (Bloomberg Prognose: 4,0%; unsere Prognose 4,1%). Die asiatischen Aktienmärkte reagierten entsprechend mit Kursrückgängen – preisten sie doch im Vorfeld bereits eine deutlich freundlichere Inflationsentwicklung in der Volksrepublik ein.

• Der damit unterbrochene Rückzug der politisch wichtigen Teuerungsrate, liegt zu einem Großteil in der Preisentwicklung bei den Nahrungsmitteln begründet. So stieg die Inflationsrate bei dieser wichtigen Güterklasse auf 10,5% Y/Y und liegt damit deutlich höher als noch im Dezember (9,1% Y/Y). Eine Tendenz in Richtung anziehender Nahrungsmittelpreise hatten wir aufgrund der Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr in der letzten Januarwoche durchaus erwartet. Jedoch fällt der Preisanstieg unerfreulich stark aus.

• Trotz der etwas überraschenden Entwicklung an der Inflationsfront erwarten wir keinen drastischen Richtungswechsel der politischen Entscheidungsträger. Zudem dürfte sich nach unserer Einschätzung der unerwartete Preisanstieg im Februar relativieren. Peking wird mit dem neu eingeschlagenen Kurs fortfahren, bei dem die Inflationsbekämpfung nicht mehr die höchste Aufmerksamkeit genießt. Nicht zuletzt aufgrund des schwierigen konjunkturellen Umfeldes verschieben sich die Prioritäten. Auf der richtungsweisenden Sitzung des chinesischen Staatsrates (State Council) am 31. Januar 2012 tauchte die Preisniveaustabilität dann auch nicht mehr als eines der Kernziele auf. Den Entscheidungsträgern dürfte hier wohl eine erste Indikation für die Preisentwicklung im Januar bereits vorgelegen haben.

• Nach den Beschlüssen aus der Sitzung des Staatsrates wird Peking zukünftig wieder stärker auf Investitionen – zum Beispiel Infrastrukturprojekte – setzen. Hier ist sicherlich Vorsicht geboten, da sowohl die Gefahr eines neuerlichen Anziehens der Inflation – auch ohne statistische Sondereffekte durch Feiertage – als auch zu hohe Neuverschuldungen der Lokalregierungen im Auge zu behalten sind. Auf dem Immobilienmarkt versuchen die Entscheidungsträger durch Beibehaltung bestehender Restriktionen – zum Beispiel beim Erwerb von Zweit- oder Drittimmobilien – weiterhin Preisübertreibungen zurückzuführen. Gleichzeitig gab die People’s Bank of China (PBOC) an, dass die Verfügbarkeit von finanziellen Mitteln zum Erwerb von Erstwohnraum von Familien verbessert werden soll, damit diese nicht dem Kampf gegen spekulative Investitionen zum Opfer fallen.

• Die PBOC wird sich nicht nur aufgrund der Januarzahlen zur Inflationsentwicklung mit expansiven geldpolitischen Maßnahmen zurückhalten. Auch eine weitere Senkung der Mindestreserve ist deshalb in den nächsten Wochen eher unwahrscheinlich.

• Fazit: Die Inflation im Reich der Mitte zog im Januar wieder an. Aufgrund der Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr, darf diese Entwicklung nicht überbewertet werden: Kein Schock, vielleicht nur etwas zu viel Salz in der Suppe. Gespannt sein dürfen wir daher auf die Februarzahlen zur Preisniveauentwicklung im Reich der Mitte. Bis dahin wird sich nach unserer Einschätzung auch die chinesische Zentralbank eher abwartend zeigen.

Quelle: Nord/LB

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