BÖRSEN-AUSBLICK/Pessimisten widerlegt - Absturz bleibt aus

Kategorie: Marktberichte (Dow Jones) | Top-Artikel (Dow Jones) | Datum: 03.09.2010

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FRANKFURT (Dow Jones) - Auch wenn sie unerwartet heftig ausgefallen ist: Ganz unerwartet ist die Trendwende am deutschen Aktienmarkt nicht gekommen. Schon vor dem fulminanten Anstieg am Mittwoch hatten sich die Zeichen verdichtet, dass die Korrekturphase sich ihrem Ende nähert. Trotz einer Vielzahl schwacher Konjunkturdaten aus den USA und Warnsignalen aus China war der DAX in den Vorwochen nie nachhaltig unter die 200-Tage-Linie gefallen. Stärkere Abgaben konnten im Rahmen einer nervenaufreibenden Seitwärtsbewegung immer wieder aufgeholt werden.

Der ausgeprägte Pessimismus, der in vielen Studien und Kommentaren Ausdruck fand, hat sich wieder einmal als zuverlässiger Kontraindikator erwiesen. Aus Furcht vor einem erneuten Absturz der US-Wirtschaft in die Rezession hatten viele Investoren ihre Aktienquoten zurückgefahren oder gar auf weiter fallende Kurse gesetzt. Der Höhenflug der Anleihen war dabei das eindrucksvollste Zeichen der ausgeprägten Skepsis der Anleger.

Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis eine positive Nachricht eine Gegenbewegung auslösen musste. Diese Rolle kam dem Einkaufsmangerindex für das verarbeitende Gewerbe der USA zu. Dass sich dieser wichtige Geschäftsklimaindikator entgegen aller Befürchtungen verbessert hatte, dämpfte nicht nur die Sorge über einen Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession, sondern beförderte den DAX aus dem Stand über 6.000 Punkte.

Der US-Arbeitsmarktbericht hellte die Stimmung weiter auf. Im August wurden in den USA lediglich 54.000 Stellen abgebaut, während Experten teilweise doppelt so hohe Verluste erwartet hatten. Zudem wurden die Zahlen der Vormonate nach oben revidiert. "Der Bericht liefert damit einen weiteren Grund, um von etwaigen 'double dip'-Befürchtungen Abstand zu nehmen", so Fabienne Riefer, Volkswirtin bei der Postbank.

Auch charttechnisch hat sich die Lage verbessert. Mittlerweile hat der DAX mehr als die Hälfte seiner zuvor erlittenen Verluste wieder aufgeholt und notiert oberhalb seines 200-Tage-Durchschnitts. "Mit der Vermeidung eines direkten Kursrutsches bis 5.400 Punkte tritt der mittelfristig seitwärts gerichtete Charakter der DAX-Bewegung seit Mai wieder deutlicher hervor", betonen die technischen Analysten der DZ Bank. Ein weiterer Anstieg bis in den Bereich von 6.230 bis 6.250 Punkten gewinne damit an Wahrscheinlichkeit.

In dieser Region sei allerdings mit erheblichem charttechnischem Widerstand zu rechnen, so dass die bisherigen Jahreshochs außer Reichweite bleiben dürften. "Wir gehen davon aus, dass der DAX spätestens an dieser Stelle seiner bereits jetzt überkauften Lage Tribut zollen muss und zumindest eine Verschnaufpause einlegt", erteilen die Analysten zu ambitionierten Erwartungen eine Absage.

Für ein ruhiges Fahrwasser spricht auch der sparsam bestückte Datenkalender. In einer eher unspektakulären Konjunkturwoche ragen im Euroraum die aktuellen Daten zur Industrieproduktion in Deutschland für Juli heraus, die am Mittwoch mitgeteilt werden. Zudem werden am Dienstag die deutschen Auftragseingänge veröffentlicht. "Hierbei rechnen wir nach dem kräftigen Schub im Vormonat mit einem leichten Rücksetzer von 0,5%. An dem kräftigen Aufwärtstrend würde dies aber noch nichts ändern. Dagegen rechnen wir bei der deutschen Industrieproduktion, die im Juni überraschenderweise gefallen war, mit einem soliden Plus von 0,8%," prognostizieren die Volkswirte der Postbank.

In Japan und Großbritannien geben die Notenbanken am Dienstag bzw Donnerstag ihre Zinsentscheidungen bekannt. Mit Zinsänderungen wird dabei aber nicht gerechnet. Wichtigster Termin ist jedoch die Veröffentlichung des Konjunkturberichts Beige Book durch die US-Notenbank am Mittwoch. "Es dürfte belegen, dass die wirtschaftliche Erholung zuletzt sehr verhalten war, der Arbeitsmarkt kaum Fortschritte gemacht hat und der Aufwärtsdruck auf die Preise gering ist", so die Volkswirte der Postbank.

Insofern dürfte es untermauern, dass die US-Notenbank an ihrer sehr expansiven Geldpolitik festhalten wird.

DJG/mif/mpt/gei

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Bild: ©iStockphoto.com/Vince Clements

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