Im neuen Til Schweiger-Film »Zweiohrküken« ist es eine der Schlüsselszenen: das heimliche Anschauen einer SMS auf dem Handy des Partners. Was in dem Film zu kräftigen Verwicklungen führt, ist unter 14- bis 24-Jährigen anscheinend ein richtiger Trend: Jeder vierte der Jugendlich gab nun laut einer Untersuchung des US-Musiksendernetzwerk MTV zu, dass man das Handy des Partner auf kompromittierende SMS untersucht habe. Mehr noch: Mehr als zehn Prozent der Befragten gaben zudem an, dass ihr Gegenüber ausdrücklich das persönliche Passwort für Online-Dienste verlange, um ihnen besser nachspionieren zu können.

Wer verschickt SMS an wen – und wer kontrolliert wen? (Bild: athinline.com)
Eifersucht, Partnerkontrolle – im Internetzeitalter eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Grundproblem ist anscheinend das fehlende Vertrauen zum Beziehungspartner. Denn vor allem die jüngere Generation wächst mit Web und Handy in einer Zeit auf, in der die Möglichkeiten für Lug und Betrug in einer Beziehung größer sind als jemals zuvor. Hinzu kommt der Umstand, dass den Menschen im Internetzeitalter derart viele Chancen geboten werden, den idealen Partner zu finden, dass der aktuelle Gegenüber praktisch permanent in Angst leben muss, ersetzt zu werden.
Freilich waren ein übersteigertes Kontrollbedürfnis und Eifersucht schon immer auch Ausdruck für mangelndes Selbstvertrauen. Aber die technischen Möglichkeiten sind nun immens geworden. Dazu kommt, dass anderen Untersuchungen zufolge »Sexting«, also das Aufnehmen und Verschicken von Nacktfotos und Sexbotschaften über Internet und Mobiltelefone, unter Jugendlichen ein Massenphänomen geworden ist. Vor allem Kinder im Alter zwischen elf und 18 Jahren sind von derartigen Übergriffen betroffen. Von diesen haben 38 Prozent schon mindestens einmal explizit sexuelle Textbotschaften per SMS oder E-Mail zugeschickt bekommen, sagt eine andere Untersuchung.
Mit dieser Art der Botschaften können Jugendliche natürlich noch nicht umgehen. Um deshalb vor allem die jüngeren Nutzer besser über Risiken und Gefahren aufzuklären, die durch die rasante Verbreitung des Internets und den technologischen Fortschritt auf dem Mobilfunksektor entstanden sind, hat MTV kürzlich die Aufklärungskampagne »A Thin Line« gestartet. (eh)
Engelbert Hoermannsdorfer,
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