Vordergründige Erklärungen sind stets schnell zur Hand, aber ein genauerer Blick unter die Oberfläche der jüngsten Kursentwicklungen am Eurozone-Rentenmarkt wirft mehr Fragen auf als er Antworten bringt. So erscheint der nächstfällige Bund Future zwar billig, nachdem der Rollover in dieser Woche den generischen Kontrakt um etwa 1,5 Punkte erleichtert hat – aber fundamental überzeugt diese Erklärung kaum. Da die Emissionstätigkeit zunimmt, kein fundamentaler Rückenwind zu erwarten ist und der Juni-Kontrakt in der Nähe des entscheidenden Widerstands bei 123 notiert, halten wir an unserer Empfehlung taktischer Shortpositionen fest!
Overnight News
• Nach seinem Treffen mit US-Präsident Obama sagte Griechenlands Premierminister Papandreou, er habe eine „positive Reaktion“ auf Initiativen zur Einschränkung von Marktspekulationen erhalten. Er betonte erneut „wir bitten nicht um eine Rettung, wir bitten niemanden um finanzielle Unterstützung“.
• BoE-Mitglied Posen glaubt, dass „das Wachstum ab jetzt zunehmen wird“; in diesem Fall bestehe „keine Notwendigkeit für eine weitere quantitative Lockerung“.
• Die dreijährige Treasury-Note im Volumen von US$ 40 Mrd. fand mit dem bisher zweithöchsten Bid-Cover-Verhältnis von 3,13 gute Nachfrage.
• US-Aktien haben im späten New Yorker Handel Gewinne abgegeben; Asien notiert kaum verändert. USTs haben sich nach der starken 3j. Auktion spät in New York erholt. Die Wechselkurse sind seitwärts gedriftet, wobei das GBP unter moderatem Druck stand.
Viele Ausreden fürs Kaufen, aber noch mehr fundamentale Gründe fürs Verkaufen!
Normalerweise befassen wir uns hier kaum mit der Vergangenheit. Aber zu verstehen, wo der Markt herkommt, hilft manchmal dabei, eine fundierte Erwartung zu formulieren, wo er hinlaufen wird.
Bunds haben eine eindrucksvolle Rallye hingelegt, die den Juni Bund Future wieder in Richtung des Kontrakthochs bei 123 geführt hat. Die Flucht in die Qualität wegen zunehmender Spannungen in der EWU ist zurzeit eine bequeme Erklärung und der schwächere Euro und die weiteren Spreads (von Kassaanleihen und Peripherie-CDS) scheinen ins Bild zu passen. Da es (außer den Fitch-Rating-Sorgen) keine überzeugende Story zu diesem Thema gab und die meisten Peripherieanleihen sogar absolut gesehen performen (aber Bunds underperformen), sind wir mit dieser Erklärung nicht ganz zufrieden. Außerdem passt die Furcht vor Emissionen aus der Peripherie nach Meldungen über Griechenlands Pläne, im März etwa 10 Mrd. € plus 5 - 15 Mrd. US$ zu platzieren, zur Entwicklung der Spreads, aber nicht der Outright-Niveaus.
Auch eine weitere Zerlegung der Renditebewegung ergibt kein schlüssiges Bild: Die Breakevens von Bunds haben sich ausgeweitet, was in einer solchen Rallye eher ungewöhnlich ist, während sich die Breakevens von Inflationsswaps eingeengt haben. Das widerspricht auch der heutigen Linker-Emission sowie der Erklärung mit der Flucht in die Qualität, die auch höhere Realrenditen von Anleihen relativ zu nominalen Papieren oder Swaps erfordern würde.
Kurzum, es fällt schwer, eine überzeugende fundamentale Erklärung für die gesamte Kursentwicklung mit allen ihren Facetten zu finden. Somit bleibt uns eine unbefriedigende Erklärung für den Bund Future: Der aktuell nächstfällige Bund Future sieht nach dem Futures-Rollover in dieser Woche auf Continuation-Charts unglaublich billig aus. Dies ist ein Phänomen, das wir bereits früher beobachtet haben – allerdings gibt es keine fundamentale Begründung für anschließende Kursgewinne. Ebenso erscheinen auch Aktien nach einem Aktiensplit zwar billiger, sind es aber nicht.
Wie geht es weiter? Der nichtgenerische Juni-Future trifft weiterhin bei seinem Kontrakthoch von 123 auf hartnäckigen Widerstand, der wiederholt gehalten hat. Heute stehen keine wichtigen Daten auf dem Kalender. Allerdings zieht die Emissionstätigkeit in Staatsanleihen an. Die zahlreichen Argumente für einen Renditeanstieg, die Peter Schaffrik gestern an dieser Stelle erklärt hat, gelten noch immer. Alles in allem halten wir also an unserer Empfehlung taktischer Shortpositionen fest mit einem Stopp im Bund bei 123,04.
EWF: Ein EWU-Spread-Tightener oder -Widener?
Aus strategischer Sicht haben wir in den gestrigen Ausgaben von Rates Radar unsere Meinung dargestellt zur möglichen Spreadwirkung eines zukünftigen Europäischen Währungsfonds, wo sich die Diskussionen vor dem Treffen der Eurogruppe in der nächsten Woche verstärken könnten, und haben attraktive Tauschmöglichkeiten in Peripheriewerte am kurzen Marktende vorgeschlagen.
Die Idee eines Europäischen Währungsfonds ist nicht neu. Aber was sich über das Wochenende geändert hat, ist die politische Unterstützung für diese Idee. In Abhängigkeit davon, wann und wie die Pläne gegebenenfalls umgesetzt werden, können sich sehr weitreichende Folgen für den Eurozone-Rentenmarkt ergeben. Doch je nachdem, welchen Verlauf die aktuelle Diskussion nimmt, ist dies möglicherweise keine Einbahnstraße! Glaubwürdige Vorkehrungen für einen Zahlungsausfall und die Betonung dieser Möglichkeit würden zu strukturell höheren Spreads in den längeren Kurvenbereichen führen!
Weiter die Kurve entlang halten wir zunächst an unserer Meinung zu Spread-Tightenern fest, besonders mit Blick auf kürzerlaufende High-Yielder. Hierzu hat Marcel Bross verschiedene Tauschmöglichkeiten aufgezeigt.
Quelle: Commerzbank
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Ausreden fürs Kaufen, bessere Gründe fürs Verkaufen
Kategorie: Anleihe-News | Datum: 10.03.2010
Bild: ©www.flickr.com/believekevin
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