Apple verschärft Sex-Zensur

Kategorie: Kreuz&Quer - Technologie & Produkte | Datum: 27.02.2010

Keine leicht bekleideten Mädels auf dem iPhone mehr geduldet.

Der IT-Konzern Apple zieht bei seiner Zensurpolitik nach puritanischem Maßstab die Daumenschrauben an. Waren es bis vor kurzem nur vereinzelte Apps wie die des deutschen »Stern«-Magazins (wir berichteten), die die Apple-Hüter erregten, so geht man nun die Breite: 5.000 Apps wurden aus dem Store genommen – durchweg solche, die spärlich bekleidete (nicht nackte) Frauen zeigten und gegen die aus sieben Punkten bestehenden Richtlinien verstießen.

Rausgefallen aus dem Apfel-Store: »Video Strip Poker« (Bild: Arawella Corp.)

Was ist eine »Bild«-Zeitung ohne das »Bild«-Girl wert? Oder ein James-Bond-Trailer ohne das Bond-Girl? Mit »No Nipples« lassen sich für manche Publikationen keine hohen App-Downloads erzielen. Die neuen Apple-Richtlinien sehen nun vor, dass auf den Bildern keine Männer oder Frauen in Badekleidung, keine nackte Haut, sowie keine Silhouetten nackter Körper zu sehen sind. Darüber hinaus dürfen keine sexuellen Anspielungen enthalten sein und keine Inhalte, die als sexuell erniedrigend empfunden werden könnten.

Nun wollen sich viele Verlage weltweit Apple entgegenstellen. »Wir kritisieren das Verhalten von Apple als unfair, willkürlich, geschäftsschädigend und für die Pressefreiheit gefährlich«, lautet Die Einschätzung des Zeitschriftenverlegerverbands VDZ. Ob es aber einen US-Hightech-Konzern juckt, wenn ein Verband im weit entfernten Europa lospoltert, dürfte dahingestellt sein. Denn auch Google lässt ja hiesige Datenschutzbefürchtungen wegen »Streetview« schlicht und einfach abtropfen.

Hinter Apples Prüderie und Anti-Porno-Einstellung dürfte freilich auch eine knallharte Geschäftsstrategie stecken – und die Sorge vor Kursverfall. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass man die Marke »blitzsauber halten« will.

Kürzlich wurde jedenfalls wieder eine »Bild«-App freigegeben. Mehr als hunderttausendmal sei die Applikation verkauft worden, die den Seite-1-Strip der »Bild« zum »Schüttel-Girl« macht: Wenn man das Gerät schüttelt, entblättert sich die Schönheit – den Bikini behält sie freilich an. (eh)

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Über den Autor:

Engelbert Hoermannsdorfer,
Kolumnist

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